Kreatives Schreiben ist eine der ältesten Möglichkeiten, Empathie aufzubauen. Wer die Lyrik, die Geschichte eines anderen liest, sucht automatisch nach Gemeinsamkeiten, nach Bekanntem, und versucht zu verstehen, wie der Andere die Welt empfindet. Von den Schreibenden selbst wird es hingegen oft als eine Form der Selbsttherapie gesehen. Man stellt sich dem Selbst, den Dingen die einen bewegen, verängstigen und begeistern. Schreiben ist Selbstausdruck, Bewältigung der eigenen Vergangenheit und Kommunikation abseits gesellschaftlichen Drucks. Das gemeinsame Besprechen des eigenen Texts erfordert Mut, denn man ist ein Risiko eingegangen, hat sich jemand anderem bis zu einem gewissen Punkt offenbart. Und doch begegnet man sich hier mit Verständnis, Vertrauen und Offenheit.
Geflüchtete Kinder haben ohne Zweifel viel zu verarbeiten. Nach einer 2015 von der Bundestherapeutenkammer veröffentlichten Abbildung, wurden 41% von ihnen Zeugen von Gewalt, 25% haben Leichen gesehen, 15% wurden sogar selbst Opfer von Gewalt. Munz, der Präsident der Bundestherapeutenkammer vermutet, dass 70% der geflüchteten Menschen hier in Deutschland traumatische Erlebnisse hinter sich haben.
Gleichzeitig finden sich geflüchtete Kinder jedoch in einer fremden Kultur wieder, dadurch zwangsweise in Gruppen isoliert, die den gleichen Hintergrund teilen. Und in normalen, alltäglichen Gesprächen Traumata zu verarbeiten, überhaupt erst anzusprechen, gestaltet sich erfahrungsgemäß als sehr schwierig.
Dennoch ist Hilfe bei diesen Themen, sei es auch nur effektive Ablenkung, rar, denn nach wie vor fehlen den Kindern Spiel- und Lernmöglichkeiten, sowie psychosoziale Hilfen.
Hier jedoch können Poesie und Lieder Brücken schlagen, denn sie ist nicht nur in Europa, sondern auch in vielen Kulturen des Orients, Afrikas und des Balkans fest in die Gesellschaft verankert und dient so als Verbindungsglied der Kulturen. In gemischten, heterogenen Schreibgruppen für Kinder mit Migrationshintergrund wird gleichzeitig die Isolation, die der Persönlichkeitsentwicklung im Weg steht, aufgelöst und eine kreative, offene Methode für die Kinder geboten, sich mit sich selbst und ihrer neuen Umgebung auseinanderzusetzen. Ob sie sich ihrer bewegten und bewegenden Vergangenheit, ihren eigenen Erfahrungen, stellen wollen oder sich einfach nur dem Spaß an der Poesie und dem erfinden von Liedtexten hingeben, um so Spannungen abzubauen und einfach nur zur Ruhe zu kommen ist dabei ihnen selbst überlassen.
Wichtig ist hier die Durchmischung von Gruppen, das Auflösen von Cliquen. So kann ein Erfahrungsaustausch von hier aufgewachsenen Kindern und Jugendlichen mit geflüchteten Kindern stattfinden, und durch die Poesie können sie lernen, einander besser zu verstehen. Sie können Neues ausprobieren ohne zu stolpern, sich gegenseitig stützen und stärken und Erfolgserlebnisse verbuchen, aus denen sie mit mehr Selbstbewusstsein hervorgehen.